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„Tobi und die Anderen“

Laurin Rudolph, Schüler der 11. Klasse, hat vergangene Woche beim großen VKZ-Schreibwettbewerb mit seiner Kurzgeschichte „Tobi und die Anderen“ den 1. Platz erreicht. Die Plätze 2 und 3 gingen an eine Schülerin und einen Schüler des Stromberg-Gymnasiums. Die Preisverleihung fand am Samstag, 17. Juli, auf dem Marktplatz in Vaihingen statt. Der Schreibwettbewerb war für die Schüler*innen der Klassen 7-12 ausgeschrieben und eingereicht werden konnte eine Kurzgeschichte zwischen 2.000 und 7.000 Zeichen. Insgesamt wurden der VKZ 34 Kurzgeschichten zugeschickt, die in den nächsten Wochen eine nach der anderen veröffentlicht werden.

Die Geschichte:

„Tobi und die Anderen“
Einen normalen Tag in Tobis Leben? Leicht zu finden. Einen außergewöhnlichen Tag in Tobis Leben? Puh, wollen wir nicht lieber den Gral suchen gehen? Ich glaube den werden wir eher finden. Offensichtliche Frage: Warum schreibe ich über einen Jungen, dessen Leben nur aus normalen Tagen besteht? Antwort: Alle schreiben über Menschen, bei
denen fast nur au ergew hnliche Tage existieren. Es ist also nur ausgleichende Gerechtigkeit, auch mal etwas über die Anderen zu schreiben.
Piep, piep, piep macht Tobis Wecker, bis er mit seiner Hand einmal darauf schlägt und dann wieder seine Ruhe hat. Nach mehrmaliger Wiederholung dieses Rituals ist es für Tobi an der Zeit sich einzugestehen, dass er aufstehen muss, um den Bus zur Schule noch zu bekommen. Schlurfend ins Badezimmer, dann verschlafen weiter zum Frühstück torkeln. Kurzer Blick auf die Uhr. Schon so spät? Der Bus kommt in 2 Minuten, wenn man
die 3 Minuten Verspätung einrechnet, die er mindestens haben wird, dann sind das 5 Minuten und die reichen für Tobi gerade noch dazu, seine Schultasche zu greifen und so schnell wie möglich zur Bushaltestelle zu sprinten. Hoffen wir einfach mal für Tobi, dass er am Abend vorher seine Schulsachen gepackt hat, denn sonst könnte es heute unangenehm werden. Okay, machen wir uns nichts vor, natürlich hat er das nicht gemacht.
An der Bushaltestelle angekommen sieht Tobi vom Bus nur noch die Rückseite. Na toll, alle anderen haben den Bus bekommen nur er nicht. Wieso musste der Bus auch genau heute pünktlich kommen? An allen anderen Tagen kam er nie pünktlich, warum ausgerechnet heute? Egal. Der nächste kommt ja schon in 10 Minuten, also nur 5 Minuten
zu spät im Deutsch-Unterricht. Passiert. Die Welt wird deshalb nicht aufhören sich zu drehen.
Konversation mit seinem Deutschlehrer, nachdem Tobi zu spät in den Unterricht kam: „So so, sind wir mal wieder zu spät, der Herr?“ „Ja, Entschuldigung, der Bus ist zu frühlosgefahren.“ „Und warum haben ihn die anderen trotzdem bekommen und du nicht?“ „Es könnte auch eventuell möglich sein, dass ich zu spät bei der Bushaltestelle ankam.“ „Aha,
ich denke, da nähern wir uns der Wahrheit schon ein bisschen mehr. Setz dich bitte, ich hoffe du hast wenigstens deine Hausaufgaben gemacht.“ „Ja, habe ich.“
Der arme Tobi. Er hatte sich gestern Abend noch so viel Mühe gegeben, blöd nur, dass die Hausaufgabe nie den Weg vom Schreibtisch in die Schultasche gefunden hat und deshalb dort liegen geblieben ist. Den Moment, als ihm das auffällt, sparen wir uns und machen dafür einen 6-stündigen Zeitsprung.
Juhu, Tobi hat es überlebt. Schule aus. Nun geht es in den nahegelegenen Supermarkt. Dort steht er unschlüssig vor dem Regal mit den Chips. Was beschäftigt ihn denn? Ihm ist aufgefallen, dass seine Lieblingschips in einer Plastikpackung sind und weil heute im Unterricht ein Film gezeigt wurde, in dem thematisiert wurde, was Plastik in unseren Weltmeeren so alles anstellt, weiß er nicht, ob er sie jetzt in seinen Einkaufskorb legen soll
oder lieber nicht. Nach ein paar Minuten des überlegens kommt er zu einem Entschluss: „Ach, die Anderen kaufen ja auch Unmengen an Plastikverpackungen, da macht diese eine Packung keinen Unterschied.“
Auf dem Nachhauseweg denkt Tobi weiter nach und je mehr er überlegt, desto mehr wird ihm bewusst, wie komplex das Thema ist. Mal angenommen, dass jemand anderes in einer vergleichbaren Situation wäre. Sollte derjenige ungefähr die gleichen Gedanken haben, dann wäre ja Tobi selbst unter den Anderen, denn er hatte ja die Plastikpackung
gekauft. Ganz in Gedanken versunken kommt Tobi nach Hause und wird von seinem kleinen Bruder empfangen. „Tooobi, ich muss dir was erzählen!“ „Was gibt’s denn?“ „Heute ist eine der Schaufeln im Kindergarten kaputt gegangen.“ „Hast du sie kaputt gemacht?“ „Nein die
Anderen warn’s.“ „Ach hör mir mit den Anderen auf.“
Ich gebe zu, dass das natürlich kein ganz normaler Tag in Tobis Leben war, aber er hat angefangen nachzudenken und damit eine Tür geöffnet, die es ihm ermöglicht, vielleicht in Zukunft auch ab und zu außergewöhnliche Tage zu haben.

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Gefährliche Einladung

Zum Stück:

– Ein Dorf… – irgendwo.
– Okay… und wo?
– In… in Deutschland.
– Und wo genau?
– Egal… irgendeine Provinz.
– Okay… und was ist darin interessant?
– Nix… gar nichts… außer…
– Ja?… Außer was?… Na, weiter… weiter!
– Na ja… die Dorfbewohner…
– Was ist mit denen?
– Eigentlich nichts Besonderes!
– Und uneigentlich?
– Na ja, die wollen nicht!
– Wollen nicht was?
– Die wollen… die wollen nicht, dass der Typ sein Fest feiert!
– Welcher Typ denn?
– Ein Graf! Ein Adliger!!
– Aha!
– Graf von Raspe! Dieser Typ, dieser Graf lädt mehr als 1ooo internationale Gäste ein.
– Zu einem Fest!!?
– Genau!
– Na und??
– Na, ja, das Fest kostet Geld!
– Jedes Fest kostet Geld!!
– Stimmt! Aber diese Dorfbewohner sind arm!
– Ach so! Und deshalb hat dieser – dieser Typ diese Leute nicht eingeladen!
– Richtig, das auch… aber das ist nicht der Punkt!
– Aha!?!
– Nein, der Punkt ist: diese Dorfleute empfinden so ein Fest als ungerecht!
– Oje… also, darum geht’s!
– Genau! Die sagen nämlich, wenn sein Fest stattfindet, geht eine Bombe hoch!
– Wie bitte, eine was?
– EI-NEE  BOM-BEEE !!
– Das ist tatsächlich… oh, Scheiß-… und… und geht diese Bombe hoch??
– Na ja… mal sehen… schau’s dir doch an!
– Anschauen -was?
– Na, dieses Stück!
– Ich soll so ein Schei-, so ein Schtück anschau’n??
– Genau!!

Gerald Friese

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