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Ein Fest der Kostüme

Dieses Jahr war es möglich, zwei interne Aufführungen (am 23. und 24. Juli) des Theater-Projekts der Klasse 11 abzuhalten. Eine öffentliche Aufführung gab es leider nicht.

Der Theaterpädagoge, Autor und Regisseur Gerald Friese hat aus dem Hörspiel „Das schönste Fest der Welt“ von Siegfried Lenz ein komplett neues Stück der 11. Klasse auf den Leib geschrieben, mit vielen neuen Personen und Zeitbezügen, zumal der Originaltext aus 1955 stammt. Dem Motiv ist aber Friese treu geblieben: Ein exklusives Kostümfest, das der Marquis de Serpa (im Stück Philipp Graf von Raspe) auf seinem spanischen Landsitz veranstalten will, sorgt bei der einheimischen Bevölkerung des Nachbardorfs für sprichwörtlichen Zündstoff. Zwei Fischer drohen mit einem Sprengstoffanschlag. In seiner hintersinnigen Hörspielsatire aus dem Jahr 1955 nahm Siegfried Lenz die Jetset-Schickeria und die Vertreter einer lauteren revolutionären Gesinnung gleichermaßen aufs Korn.

Friese hat nun das Theaterstück „Gefährliche Einladung“ in unsere Zeit und nach Deutschland versetzt und das Motto „Friede den Hütten! Krieg den Palästen!“ aus der Flugschrift des Hessischen Landboten des Vormärz-Schriftstellers Georg Büchner öfter wiederholen lassen.

Schon der Titel klingt sehr aktuell. Außerdem erkannte der aufmerksame Zuschauer und Zuhörer viele Anspielungen auf die heutige Zeit mit vielen Kalauern und Wortspielen wie: „aus der Küche sollten Gerüche und nicht Gerüchte kommen“ (Gerüchteküche, wieso eigentlich?), „Bielefeld existiert nicht…“  kugeln (Wahrsagerin) statt googeln, die Ignoranz der Briten, die Österreich als einen Teil Deutschlands sehen, usw.

Eigentlich hielt sich Friese an die Anweisungen des Theaterdirektors im Vorspiel auf dem Theater in Goethes Faust: „Gebt Ihr ein Stück, so gebt es gleich in Stücken!“ da mehrere Parallel-Handlungen eingeflochten wurden: die Attentäter-Pläne, die Fitness- und Esoterik-Szenen, Gespräche im Boot usw.

Auch das Thema LGBTQIA+ kam nicht zu kurz, als zwei lesbische Fitnessteilnehmerinnen  (eine davon ist Inhaberin eines Swingerklubs) plötzlich über Männer sprechen. Die Esoterikszene wird in der Person von Madame Augura, einer Wahrsagerin aufs Korn genommen mit dem in solchen Situationen omnipräsenten Schlusssatz: „Die Zukunft ist Ihnen gewogen“.

Durch eine bühnenreife Sprache, was bei 11-Klässlern nicht immer selbstverständlich ist, durch eine treffende Kulisse, aufgeteilt auf 11 (!) Schauplätze im ganzen Saal, stilgerechte Bühnenrequisiten, von Eltern aufgetrieben, wurde auch durch die Musik die richtige Atmosphäre für ein gelungenes Stück geschaffen. Was bisher an Fahrzeugen noch nicht auf der Bühne stand, wurde dieses Jahr nachgeholt: ein richtiges Kanu. Schiff, Motorrad, ja auch Flugzeug standen schon auf der Bühne, ein Kanu bislang aber noch nicht. Der Star des Stücks war der näselnde „Pinguin“, der Butler Benedictus der gräflichen Familie, ein Ostfriese, wobei aber auch der Graf und die Gräfin und auch die internationalen Gäste der exklusiven  Party eine gute Rolle abgaben.

Zwar explodiert am Ende eine Bombe, aber niemanden stört’s, da niemand verletzt wird… und übrigens übertönte auch der wohlverdiente Applaus den Knall!

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