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Die 10. Klasse am Ensinger See

In der Waldorfschule gehört das Feldmessen zum Lehrplan. Diese praktische, buchstäblich bodenständige Arbeit ist pädagogisch nicht allein als Ergänzung zur Geometrie, bzw. Trigonometrie aufzufassen, sondern sie wirkt stark auf das praktische Verständnis der theoretisch erarbeiteten Inhalte aus dem Mathematikunterricht, sozusagen Anwendung des Gelernten in der Praxis. Zusätzlich nehmen die Jugendlichen in dieser Zeit Aspekte der Physik und Geografie bewusster und konkret wahr. Das Feldmesspraktikum dient in dieser Lebensphase der Schüler dazu, einen Bezug zur Erde und zu den praktischen Aufgaben des Lebens zu bekommen. Die Frage ist doch: Welchen Herausforderungen müssen sich die Schüler in diesem Alter stellen? Zusätzlich ist das Feldmesspraktikum nämlich auch ein großartiges Betätigungsfeld, um sich messend und zeichnend mit der Erde – oder zumindest einem kleinen Teil davon – auseinanderzusetzen. Diesen Teil kennt der Schüler nach einer Woche Praktikum ‚wie die eigene Westentasche‘. 

Gelernt werden z. B. Objektivität und sorgfältige Arbeitsweise, denn jeder Schüler erstellt während des Praktikums seine Karte eines definierten Gebietes und erhält dadurch einen Überblick, den weder ein Rundblick noch der Blick aus einem Flugzeug bietet. Will man zum Beispiel einen kleinen Bach abbilden, muss man sich nach jeder Biegung entscheiden, wie genau man Einzelheiten berücksichtigt, damit sie im Maßstab der Karte noch sichtbar werden. Fleiß, Geduld, Sauberkeit und Ordnung werden – beim eigenen Tun erfahren. Ungenaue Messungen werden nicht zu anderen Messungen passen und so folgt auf Nachlässigkeit das Nacharbeiten, bis alle Messungen ein Bild ergeben. Die Trigonometrie liefert ein unerschütterliches und objektives Kriterium, ob die gemessenen Daten brauchbar sind oder nicht. So erleben die Schüler während des Feldmesspraktikums eindrücklich, welchen Aufwand aber auch welchen praktischen Wert die oben genannten „Tugenden“ bieten.
Auch an der Waldorfschule Vaihingen an der Enz fand dieses Jahr wie auch in den vorangegangen das Feldmesspraktikum in der 10. Klasse statt. Das Praktikum wurde von den Lehrern Herrn Beukman und Frau Grys geleitet.
Die Schüler lernten, wie oben beschrieben, bestimmte Bereiche bzw. eine bestimmte Fläche mit unterschiedlichen Geräten ausgemessen werden kann. Die Klasse hatte die Wahl zwischen dem Ausmessen des Schulgeländes oder die des Ensinger Sees, wobei Letzterer den Zuschlag erhielt.
Jeden Morgen zu Schulbeginn trafen sich die Schülerinnen und Schüler in der Schule, um den Tagesablauf zu besprechen und auch um die Erkenntnisse des vorherigen Tages zu besprechen. Anschließend wurde ganz ökologisch mit dem Fahrrad zum Ensinger See gefahren.
Dort wurden die Utensilien (Stäbe und Theodolit u.a.m.) aus dem Auto von Frau Grys geholt und die Arbeit wurde in Angriff genommen. Mehrere Gruppen von 4-5 Schülerinnen und Schüler haben sich dann nach und nach den Vorgaben entsprechend voran gearbeitet. Zuerst wurden am Ufer Fluchtstäbe aufgestellt und grob die Entfernung gemessen, so kamen täglich neue Erkenntnisse hinzu: von der Winkelmessung über Streckenmessung bis hin zur Höhenmessung. Als dann nach dieser Woche alle wichtigen Vermessungen aufgeschrieben und verrechnet waren, wurde ein detailgetreuen Plan vom See, sowie von einem kleinen Stück der Umgebung erstellt, was als Ergebnis und Ziel der Epoche beabsichtigt war.
Das Fazit einer Schülerin: „Mir hat das Feldmesspraktikum alles in allem Spaß gemacht. Leider war es morgens immer sehr kalt, doch zum Glück hatten wir dann gegen Mittag meistens schönes Wetter. Ich habe gelernt mit verschieden Geräten umzugehen, bei einigen hatte ich schnell den Dreh raus, bei anderen hat es etwas länger gebraucht. Es war eine anstrengende Woche, da man täglich bis circa 16 Uhr am Ensinger See war, aber trotzdem bin ich froh die Erfahrung gemacht zu haben.“

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