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„Warum bin ich nicht von Stein wie du?“

Die 8. Klasse spielte am vergangenen Wochenende in insgesamt vier Aufführungen, davon zwei interne „Der Glöckner von Notre Dame“ von Viktor Hugo in der Bearbeitung für die Bühne von Marcus Kraneburg, sozusagen eine Kurzfassung des erfolgreichsten Romans des Schriftstellers.
Regie führte auch in diesem Jahr die Regisseurin, Schauspielerin und Theaterpädagogin Gabriele Sponner.


Als Einführung erläuterte der Klassenlehrer Bernd Schneider, der die Klasse seit der ersten Klasse unterrichtet, seine Beziehung zu den Glocken, wobei eine große schön klingende sogar auf der Bühne stand. Eine zweite Einführung boten zwei Schülerinnen der Klasse, und zwar zu dem im Stück oft gebrauchten Begriff „Zigeuner“. Dazu stand im Programmheft folgender erklärender Text von ihrem Mitschüler, Leonard Zischka:  Das Wort ,,Zigeuner“ ist eine byzantinische also griechische Fremdbezeichnung für Völker wie z.B. Sinti und Roma. Diese sind vor 900 Jahren aus Indien ausgewandert. Der Name ist seit dem Jahr 1418 nachgewiesen. „Zigeuner“ ist heute ein beleidigendes Wort für Völker, die keinen festen Wohnsitz haben (fälschlicherweise in der Volksetymologie als „ziehende Gauner“ gedeutet) und als Nomaden leben. Tatsächlich trifft das nur auf 5% der Menschen zu, die auch über Jahrhunderte z.B. im Burgenland leben. Diese Völker wurden ähnlich wie die Juden Jahrhunderte verfolgt und diskriminiert. Während des Dritten Reiches wurden sie inhaftiert und umgebracht. Erst seit den 1970er Jahren organisieren sich Sinti und Roma und kämpfen gegen den tiefsitzenden Rassismus. Auch im Stücke müssen sich die Angehörigen dieser Volksgruppe immer wieder gegen ihre Diskriminierung verteidigen, gehört doch eine der Hauptpersonen, die Tänzerin Esmeralda dieser Gemeinschaft an.

Über den Inhalt des Stückes wurde in der Vorankündigung berichtet. Die Frage ob Don Frollo es schafft, Esmeralda hinrichten zu lassen, kann nun beantwortet werden: nein, denn Quasimodo, der missgestalteten Glöckner rettet sie zum zweiten Mal vor dem sicheren Tod.

Am Ende sitzt er vor der Kathedrale, schaut in die Ferne und fragt „Warum bin ich nicht von Stein wie du?“

Das Stück schildert den Konflikt zwischen spätmittelalterlichem Denken (Ende des 15. Jahrhunderts), kurz nach der Erfindung des Buchdrucks, das in einer Szene kontrovers diskutiert wird, und einer natürlichen, zwanglosen Lebensauffassung. In der einerseits bigotten, andererseits abergläubischen Zeit stehen sich zwei Extreme gegenüber. Verkörpert zum einen durch den scheinbar rationalen rachsüchtigen Don Frollo, zum anderen durch die lebensfrohe schöne „Zigeunerin“ Esmeralda. Als Bindeglied dient die Figur des einsamen, hässlichen aber intelligenten Quasimodo, der selber an einem Buch schreibt.  Andererseits ist das Stück auch ein Plädoyer für die Gleichberechtigung einer verfolgten Bevölkerungsgruppe, die auch heute noch mit Vorurteilen zu kämpfen hat.

Die Probenzeit war, wie geschildert wurde, auch ein soziales Lernfeld in dem Lehrer, Schüler und Eltern harmonisch zusammenarbeiteten. Besonders zu erwähnen sind die Kostümgestalterin Sophia Spickenreuther, die den Zeitgeist aufgriff, die Regieassistenten Sabine Auerbach und der Klassenlehrer Bernd Schneider, die vier Beleuchter, die das Bühnengeschehen ins rechte Licht rückten. Trotz vieler kurzer Szenen gingen die Umbauten erstaunlich schnell vonstatten, begleitet von den Musikern der Klasse.

Das Engagement der Schüler, die schöne Aussprache und das überzeugende Spiel, ein funktionales Bühnenbild (entworfen von dem Architekten  Bernd Schneider, ausgeführt von Marc Friedmann), die stimmungsvolle Musik, komponiert für das Stück von Musiklehrer Alexander Nolte, und die gekonnte einfallsreiche Inszenierung von Gabriele Sponner machten diese Aufführung, zu einem sehenswerten Erlebnis, das in allen Aufführungen, den wohlverdienten Applaus erntete.

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